Mittelständische Geschäftsführungen und Personalabteilungen versäumen Führungskräfte mit dem notwendigen, professionellen Know-how auszurüsten

Vorspann:

„Würden Sie einen Freund schlecht vorbereitet auf eine Wanderung ins Himalaya schicken?"

Ein Freund von Ihnen plant eine Bergwanderung im Himalaya. Sie haben die Aufgabe übernommen, ihn auf die herausfordernde Reise vorzubereiten. Sie achten darauf, dass er das 1x1 des Bergsteigens nicht nur kennt, sondern eingeübt hat. Sie achten darauf,  dass seine körperliche Fitness trainiert ist, damit er den Anforderungen gewachsen ist. Und Sie achten darauf, dass er die richtige Kleidung einpackt, damit eine Wetterlage ihn nicht unvorbereitet überraschen kann.

Sie bereiten ihn auch darauf vor, wie er sich in schwierigen Situationen verhalten sollte:
Was ist zu tun, wenn Nebel aufkommt?
Was ist zu tun, wenn es Blitz und Donner gibt?
Was ist zu tun, wenn er sich verletzt?
Ihr Freund soll gut vorbereitet sein. Seine Bergwanderung soll ein Erfolg werden.

"Was würden Sie von einer Person halten, die einen Freund unzureichend vorbereitet auf den Weg schickt?"

 

Während z.B. Hobby-Angler einen mehrtägigen Kurs absolvieren müssen, gilt dies nicht für Personen, die in einem Unternehmen Menschen führen.

Führungskräfte, die durch ihr Verhalten entscheidenden Einfluss auf die Arbeitsmotivation von mehreren Mitarbeitern haben, müssen keinen Kurs besuchen. Es gibt zahlreiche Personen, die in einer Vorgesetzten-Rolle tätig sind und nie zum Thema „Mitarbeiterführung" qualifiziert worden sind.

Viele Führungskräfte im Mittelstand haben gar nicht – oder noch nicht in ausreichendem Maße – an Führungskräfte-Trainings teilgenommen. Resultierend beherrschen diese Führungskräfte nicht das 1x1 des Führens. Dies zeigt beispielsweise eine Studie des Instituts für Konfliktmanagement und Führungskommunikation (IKuF): "Jeder 3. direkte Vorgesetzte besitzt nicht die Kompetenz, angemessen Feedback zu geben." (02.2013)

Eine weitere Umfrage – die "IKuF-Frage des Monats: Sommer 2014" – ergab, dass 76 % der Angestellten antworteten: „Ich würde die Mitarbeiter/innen anders motivieren als mein Vorgesetzter".

 

Professionelle Fähigkeiten erfordern professionelle Trainings – Eine gute Führung wird nur über das Trainieren der Führungskräfte erreicht

Manche Zeitschriften-Artikel zum Thema „Mitarbeiterführung" suggerieren, dass Mitarbeiter erfolgreich geführt werden können, wenn einige, wenige Handlungstipps befolgt werden. Die Mitarbeiterführung ist jedoch komplexer, als es in diesen Artikeln vorgetäuscht wird.

Zeitschriften-Artikel können gewiss hilfreiche Impulse liefern. Sie können aber ein professionelles Führungskräfte-Training nicht ersetzen. Dies ist dadurch zu erklären, dass ein Führungskräfte-Training über die Vermittlung aktuellen Fachwissens hinausreicht. In einem professionellen Führungskräfte-Training wird 1. Führungsverhalten eingeübt und weiterentwickelt und es werden 2. die bisherigen Führungserfahrungen der Teilnehmer(innen) in einem fachlich-produktiven Rahmen reflektiert und für die Zukunft nutzbar gemacht.


Fehldeutung des Begriffs „Soft-Skills" verursacht wirtschaftliche Schäden

Dass viele Führungskräfte nicht mit professionellem Know-how ausgestattet sind (z.B. mit Konfliktmanagement-Fähigkeiten), liegt auch daran, dass intra- und interpersonale Kompetenzen mit dem Begriff „Soft-Skills" bezeichnet werden.  Der Begriff ist ungünstig gewählt. Denn er führt zu Fehldeutungen: nicht wenige mittelständische Geschäftsführungen und Leitungskräfte (auch in Personalabteilungen) stufen insbesondere zwischenmenschliche „Soft-Skills" als weniger wichtig ein als die sogenannten „Hard-Skills".

In diesen Fällen wird übersehen, dass unzureichend entwickelte „Soft-Skills" – etwa bei Führungskräften – zu Stress-Situationen/Konflikten führen. Diese eskalierenden Vorgesetzten-Mitarbeiter-Konflikte und nicht moderierten Mitarbeiter-Mitarbeiter-Konflikte wiederum verursachen erheblichen ökonomischen Schaden: verminderte
Arbeitsmotivation (nur "Dienst nach Vorschrift"), Verschwendung von Zeit-Ressourcen, Fehlzeiten, Mitarbeiter initiierte Kündigungen, etc.
(siehe Irrtum 4 im Artikel "4 Irrtümr des Konfliktmanagements", IKuF-Artikel 27)


Viele Führungskräfte werden "im Regen stehen gelassen"

Es gibt Sie noch immer: Geschäftsführungen und Personalleitungen, die ihre Führungskräfte nicht mit den Kompetenzen „ausrüsten", die für eine erfolgreiche Mitarbeiterführung dringend erforderlich sind.

Den verantwortlichen Leitungskräften sind ihre Versäumnisse häufig nicht bewusst. Denn sie haben wenig oder kein organisations- und kommunikationspsychologisches Wissen. Folglich können sie auch nicht einschätzen, welche Fähigkeiten "ihre" Führungskräfte in einem professionellen Trainingskurs entwickeln könnten.

Dies mag im Einzelfall auch daran liegen, dass sie selbst noch nie an einem professionellen Konfliktmanagement-Trainingskurs teilgenommen haben.
(Lesen Sie hierzu auch den Irrtum 3 "Konfliktmanagement-Trainings werden mit Grundlagen-Kommunikationskursen verwechselt"; siehe IKuF-Artikel 27 "Irrtümer des Konfliktmanagements.)

Seit 2013 ist es die Pflicht des Arbeitgebers, seine Mitarbeiter(innen) auch vor „Gefährdungen (...) durch psychische Belastungen bei der Arbeit" zu schützen (siehe §5 Arbeitsschutzgesetz). Führungskräfte im professionellen Konfliktmanagement zu qualifizieren, leistet – in diesem Kontext – einen wichtigen Beitrag zu einer stressfreieren Arbeitsatmosphäre.

 

Dr. Timo Müller leitet das IKuF – Institut für Konfliktmanagement und Führungskommunikation (www.ikuf.de). Er ist Doktor der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften
und promovierte im Feld der Konfliktforschung. Als Experte für „erfolgreiches Konfliktmanagement" und "motivierende Feedback-Kommunikation" engagiert er sich im deutschsprachigen Raum als Business-Trainer, Vortragsreferent, Konfliktmoderator/-coach und Autor. Er leitet neben Inhouse-Kursen auch offene IKuF-Kurse in den Regionen Köln, Hamburg und München.

      

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